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Ultraschall-Drahtbonden
(Ultrasonic Wire Bonding)

Grundlagen, Bondtechnologien, Bondmethoden, Werkstoffe und industrielle Anwendungen
des modernen Drahtbondens

Was ist Ultraschall-Drahtbonden?

Ultraschall-Drahtbonden ist ein Festkörperfügeverfahren zur elektrischen und mechanischen Kontaktierung elektronischer Komponenten. Dabei werden hochfrequente Ultraschallschwingungen mit einer definierten Bondkraft über eine festgelegte Bondzeit kombiniert, um eine dauerhafte metallurgische Verbindung zwischen Bonddraht und Kontaktfläche herzustellen.

Im Gegensatz zu Schmelzschweißverfahren erfolgt die Verbindung ohne Aufschmelzen der Werkstoffe. Die Ultraschallenergie unterstützt die Entfernung von Oxidschichten und Oberflächenverunreinigungen, fördert die plastische Verformung der Fügepartner und erhöht die reale Kontaktfläche. Dadurch entstehen metallische Mikrokontakte, in denen atomare Wechselwirkungen und lokale Diffusionsprozesse zur Ausbildung einer dauerhaften metallurgischen Verbindung beitragen.

Aufgrund seiner Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Automatisierbarkeit zählt das Drahtbonden heute zu den wichtigsten Verbindungstechnologien in der Mikroelektronik, Leistungselektronik, Batterietechnologie und Automobilindustrie.

 Vorteile des Ultraschall-Drahtbondens

hohe Prozessstabilität

niedrige elektrische Übergangswiderstände

geringe thermische Belastung der Bauteile

eignet sich hervorragende für Automatisierung

Moderne Bondanlagen ermöglichen eine umfassende Prozessüberwachung, Rückverfolgbarkeit und hohe Wiederholgenauigkeit.

Typische Anwendungsbereiche

Mikroelektronik

Halbleiter-Packaging, ICs, MEMS, Sensorik, RF-Module und Optoelektronik.

 

Leistungselektronik

IGBT-, MOSFET- und SiC-Leistungsmodule für Wechselrichter, Ladegeräte, DC/DC-Wandler und Energiesysteme

Automotive 

Traktionsinverter, On-Board-Charger, Batteriemanagementsysteme, Zell-zu-Modul-Verbindungen und Batteriemodule

Hochzuverlässigkeits-anwendungen

Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Radar-, Mikrowellen-, Telekommunikations- und Satellitensysteme

Wie lassen sich Drahtbond Prozesse klassifizieren

Drahtbonden umfasst eine Vielzahl von Verfahren, Werkstoffen und Anwendungsbereichen. Begriffe wie Ultraschall-Drahtbonden, Thermosonic-Bonden, Wedge-Wedge-Bonden, Ball-Wedge-Bonden, Fine-Wire oder Ribbon Bonding beschreiben unterschiedliche Eigenschaften eines Bondprozesses und sollten daher nicht miteinander verwechselt werden.

Ein Drahtbondprozess lässt sich aus mehreren Blickwinkeln klassifizieren. Die einzelnen Klassifizierungen ergänzen sich gegenseitig und ermöglichen eine eindeutige technische Beschreibung des jeweiligen Bondprozesses.

Für ein besseres Verständnis ist es hilfreich, Drahtbondprozesse nach vier grundlegenden Merkmalen zu klassifizieren:

       Bondtechnologie

       Bondmethode

       Drahtgeometrie

       Größenklasse des Drahts

Diese Klassifizierungen ergänzen sich gegenseitig und ermöglichen eine eindeutige Beschreibung eines Drahtbondprozesses.

Übersicht der Drahtbond-Klassifizierung

Klassifizierungsebene

Bondtechnologie

Bondmethode

Drahtgeometrie

Größenklasse

Werkstoff

Fragestellung

Wie entsteht die metallurgische Verbindung?

Wie wird die Verbindung geometrisch erzeugt?

Welche Drahtform wird verwendet?

Welcher Drahtquerschnitt wird verwendet?

Welches Draht- bzw. Bondmaterial wird verwendet?

Beispiele

Thermokompressions-, Ultraschall- oder Thermosonic-Drahtbonden

Wedge-Wedge-Bonden oder Ball-Wedge-Bonden

Runddraht oder Ribbon

Fine-Wire, Fine-Ribbon, Heavy-Wire oder Heavy-Ribbon

Aluminium, Kupfer, Gold oder Silber

Zusammenhang der Klassifizierung

Die einzelnen Klassifizierungen sind nicht voneinander abhängig, sondern können miteinander kombiniert werden.

Ein Drahtbondprozess wird daher in der Praxis durch mehrere Merkmale gleichzeitig beschrieben.

Beispiel: Mikroelektronik

    Merkmal                                         Klassifizierung

    Bondtechnologie                       Thermosonic-Drahtbonden

    Bondmethode                            Ball-Wedge-Bonden

    Drahtgeometrie                          Runddraht

    Größenklasse                             Fine-Wire

    Werkstoff                                    Gold

 

    Typische Anwendungen:

    Halbleiter-Packaging

    Sensorik

    RF-Module

    Mikroelektronik

Wichtiger Hinweis zur Größenklassifizierung

Die Übergänge zwischen Fine-Wire, Heavy-Wire, Fine-Ribbon und Heavy-Ribbon sind nicht international normiert. Die Zuordnung kann je nach Bondverfahren, Werkstoff, Hersteller und Anwendungsbereich variieren.

Die in der Fachliteratur und Industrie verwendeten Größenbereiche dienen daher in erster Linie als technische Orientierung und nicht als verbindliche Normgrenzen.

Bondtechnologien

Die Ausbildung einer metallurgischen Verbindung beim Drahtbonden kann durch unterschiedliche Energieeinbringungsmechanismen erfolgen. In der Fachliteratur werden Drahtbondtechnologien häufig anhand der zur Bondbildung eingesetzten Prozessenergien klassifiziert.

 

     Bondtechnologie                                                    Primäre Energieeinbringung

    Thermokompressions-Bonden                            Temperatur + Bondkraft            

    Ultraschall-Drahtbonden                                     Ultraschallenergie + Bondkraft             

    Thermosonic-Drahtbonden                                 Temperatur + Ultraschallenergie + Bondkraft

Ultraschall-Drahtbonden

Beim Ultraschall-Drahtbonden erfolgt die Bondbildung durch die Kombination aus Ultraschallenergie und Bondkraft. Das Verfahren wird insbesondere für Aluminium-, Kupfer- und Ribbon-Anwendungen eingesetzt und ist heute die dominierende Bondtechnologie in der Leistungs- und Automobilelektronik.

Thermosonic-Drahtbonden

Beim Thermosonic-Drahtbonden wird die Ultraschallenergie durch eine zusätzliche Temperatur unterstützt. Die Temperatur wirkt als Aktivierungsenergie und ermöglicht eine Reduzierung der erforderlichen Bondkraft und Ultraschallenergie. Das Verfahren wird überwiegend für Fine-Wire-Anwendungen in der Mikroelektronik und Halbleitertechnik eingesetzt.

Thermokompressions-Drahtbonden

Beim Thermokompressions-Bonden erfolgt die Bondbildung ausschließlich durch Temperatur und Bondkraft. Im Gegensatz zum Ultraschall- und Thermosonic-Bonden wird keine Ultraschallenergie eingesetzt. Das Verfahren zählt zu den historischen Grundlagen moderner Drahtbondtechnologien und wird heute überwiegend in ausgewählten Spezialanwendungen eingesetzt.

Bondmethoden

Wedge - Wedge Drahtbonden

Beim Wedge-Wedge-Bonden werden First Bond und Second Bond mit einem Bondkeil erzeugt.

Die Geometrie des Werkzeugs bestimmt Drahtführung, Bondgeometrie und Energieübertragung. Der Prozess umfasst Bondfuß, Loop und Bond Tail und eignet sich für Fine-Wire-, Heavy-Wire- und Ribbon-Anwendungen.

Interne Verlinkungen:

Fine-Wire-Wedges |  Heavy-Wire-Wedges 

iBOND5000wedge | iBOND5000dual

 

Ball - Wedge Drahtbonden

Beim Ball-Wedge-Bonden wird zunächst ein Free Air Ball (FAB) durch einen Electronic Flame-Off (EFO) erzeugt. Der First Bond erfolgt als Ball Bond, der Second Bond als Stitch Bond. Die Methode eignet sich besonders für Fine-Pitch-Anwendungen und hochintegrierte Halbleiterstrukturen.



Interne Verlinkungen:
iBOND5000ball | iBOND5000dual

Bondwerkstoffe

Aluminium (Al): Industriestandard für zahlreiche Ultraschall-Wedge-Bondprozesse in der Leistungselektronik.

Kupfer (Cu): Hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit, hohe mechanische Festigkeit und wirtschaftliche Vorteile für Serienanwendungen.

Gold (Au): Hohe Korrosionsbeständigkeit, stabile Prozessführung und bewährter Werkstoff für thermosonische Fine-Wire-Anwendungen.

Silber (Ag): Sehr hohe elektrische Leitfähigkeit und interessante Alternative für ausgewählte Anwendungen.

Klassifizierung nach Drahtgeometrie und Drahtgröße

Neben dem verwendeten Werkstoff werden Bonddrähte häufig anhand ihrer Geometrie und ihres Querschnitts klassifiziert. Die Auswahl beeinflusst unter anderem Stromtragfähigkeit, elektrische Eigenschaften, Bondpad-Design, Packungsdichte sowie die Auslegung des Bondprozesses.

In der Praxis wird häufig zwischen Fine-Wire-/Fine-Ribbon-Anwendungen und Heavy-Wire-/Heavy-Ribbon-Anwendungen unterschieden.

 

Die Übergänge zwischen diesen Klassen sind jedoch nicht international normiert und können je nach Bondverfahren, Werkstoff, Hersteller und Anwendungsbereich variieren. Die nachfolgend genannten Größenbereiche stellen typische Industrieanwendungen dar und dienen als Orientierung.

Fine Wire (Runddraht) 

Typische Drahtdurchmesser:

  • ca. 12,5 µm bis 75 µm

Typische Werkstoffe:

  • Gold (Au)

  • Kupfer (Cu)

  • Silber (Ag)

Typische Anwendungen:

  • Halbleiter-Packaging

  • MEMS

  • RF-Module

  • Sensorik

  • Optoelektronik

Fine Ribbon
(Bändchen)

Typische Ribbon-Abmessungen:

  • Breiten häufig im Bereich von etwa 25 µm bis 300 µm

  • Dicken häufig im Bereich von etwa 25 µm bis 50 µm

Typische Werkstoffe:

  • Gold (Au)

Typische Anwendungen:

  • Mikrowellentechnik

  • Hochfrequenztechnik

  • RF-Module

Heavy Wire (Runddraht) 
 

Typische Drahtdurchmesser:

  • ca. 100 µm bis 600 µm 

Typische Werkstoffe:

  • Aluminium (Al)

  • Kupfer (Cu)

Typische Anwendungen:

  • Leistungselektronik

  • Batterietechnologie

  • SiC-Leistungsmodule

Heavy Ribbon 
(Bändchen)

Typische Ribbon-Abmessungen:

  • Breiten von ca. 0,3 mm bis mehreren Millimetern

  • Dicken von ca. 50 µm bis über 300 µm

Typische Werkstoffe:

  • Aluminium (Al)

  • Kupfer (Cu)

Typische Anwendungen:

  • Power Electronics

  • EV Battery Systems

  • High-Current Interconnects

Wichtige Prozessparameter

Der Ultraschall-Drahtbondprozess wird maßgeblich durch die Wechselwirkung von Bondkraft (Bond Force), Ultraschallleistung (Ultrasonic Power), Bondzeit (Bond Time), Prozesstemperatur und Bondwerkzeug bestimmt.

Diese Parameter beeinflussen die Reibungsenergie an der Kontaktfläche und damit die Ausbildung der metallurgischen Verbindung zwischen Bonddraht und Bondpad. Die optimale Parametrierung hängt unter anderem von der Bondtechnologie, dem Drahtwerkstoff und -durchmesser, der Padmetallisierung sowie den Anforderungen an Prozessfähigkeit, Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Baugruppe ab.

Interne Verlinkungen:

Bond Process Optimization | Produktion Support

Häufige Fehlerbilder

Fehlerbilder beim Ultraschall-Drahtbonden entstehen häufig durch ungeeignete Prozessparameter, Materialinkompatibilitäten oder Oberflächenkontaminationen.

Zu den typischen Bonddefekten zählen Non-Stick-On-Pad (NSOP), Lift-Off, Heel Crack, Wire Break, Cratering, Wire Nick sowie Overbonding.

Diese Defekte können die mechanische Festigkeit und elektrische Integrität der Bondverbindung beeinträchtigen und sich negativ auf die Langzeitzuverlässigkeit elektronischer Baugruppen auswirken.

Eine systematische Prozessüberwachung und Fehleranalyse ist daher entscheidend für die Sicherstellung stabiler und reproduzierbarer Bondprozesse.

Interne Verlinkungen:

Bond Process Optimization | Produktion Support

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